Preisträger: Innovationspreis 2011


Prof. Dr. Gerhard Kramer
Düsseldorf, 16. Mai 2011 16. Mai 2011. Am heutigen Montag werden der Innovationspreis und die Förderpreise der Vodafone-Stiftung für Forschung vergeben. Bei der feierlichen Verleihung in der Neusser Langen Foundation werden drei Wissenschaftler gewürdigt, deren Arbeiten von großer Relevanz für die Weiterentwicklung der Telekommunikation sind. Prof. Dr. Gerhard Kramer von der TU München erhält den mit 25.000 Euro dotierten Vodafone Innovationspreis 2011. Seine umfangreiche Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Informationstheorie zu "Relay Networks" ist für Mobilfunksysteme der Zukunft wegweisend. Auch der Vodafone-Förderpreis für Natur- und Ingenieurwissenschaften geht an einen Wissenschaftler der TU München. Er wird an Dr. Patrick Henkel verliehen, der im Rahmen seiner Promotion neue Algorithmen entwickelte, mit denen die Zuverlässigkeit und Präzision von satellitengestützter Navigation verbessert werden kann. Der Förderpreis für Markt- und Kundenorientierung wird an Dr. Melanie Krämer vergeben. In ihrer Dissertation an der Universität Mannheim untersuchte sie, wie sich einfache und komplexe Preissysteme auf Kaufentscheidungen auswirken. Sie liefert somit einen wichtigen Beitrag zur Marketingforschung.

"Mit dem Innovationspreis würdigt die Vodafone-Stiftung für Forschung die herausragenden Forschungsleistungen von Prof. Gerhard Kramer ", so Friedrich Joussen, Vorsitzender der Geschäftsführung von Vodafone Deutschland. "Seine Arbeiten auf dem Gebiet der Informationstheorie zu "Relay Networks" leisten einen wichtigen Beitrag zur dynamischen Entwicklung von Schlüsseltechnologien für Deutschland und Europa."

Die Arbeiten des Innovationspreisträgers Prof. Dr. Gerhard Kramer finden weltweit große Beachtung. Seine Publikation "Cooperative Strategies and Capacity Theorems for Relay Networks" wurde in wissenschaftlichen Arbeiten bislang über 1.000 Mal zitiert. Diese Arbeit liefert bahnbrechende Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Informationstheorie, insbesondere der Netzwerkinformationstheorie. In der Praxis bieten seine Forschungsergebnisse die Grundlage, die Übertragungsraten in drahtlosen Netzwerken deutlich zu erhöhen - und somit die Mobilfunknetze in Zukunft noch leistungsfähiger zu machen. Kramer hat sich auch mit der optischen Nachrichtenübertragung befasst und bedeutende Forschung zur Kapazität von Glasfasernetzwerken betrieben. 2010 erhielt er die Alexander von Humboldt-Professur, den höchstdotierten internationalen Forschungspreis Deutschlands.

Dr. Patrick Henkel entwickelte im Rahmen seiner Dissertation "Reliable Carrier Phase Positioning" an der TU München die Positionsbestimmung via GPS weiter, um diese zugleich genauer und zuverlässiger zu gestalten. Um beispielsweise ein Flugzeug automatisch zu landen, bringt die konventionelle Satellitennavigation eine zu hohe Fehlerwahrscheinlichkeit mit sich. Henkel gelang es, viele Fehlerquellen in der Positionsbestimmung vollständig zu eliminieren und somit die satellitengestützte Navigation auch bei sicherheitskritischen Anwendungen zu ermöglichen. Seine Arbeit ist nicht nur für die Luft- und Raumfahrt von großer Relevanz. Das von ihm entwickelte Verfahren kann auch beim Anlegen von Schiffen oder bei der automatischen Kontrolle von Land- und Baumaschinen angewandt werden.

Dr. Melanie Krämer untersuchte in experimentellen Studien am Beispiel von Mobilfunktarifen, wie sich Preiskomplexität auf Kaufentscheidungen auswirkt.
Sie zeigte auf, dass sich Kunden eher für das Produkt mit der einfacheren Preisstruktur entscheiden, auch wenn dieses genauso viel oder mehr kostet als ein Tarif, der sich aus vielen unterschiedlichen Kostenpunkten und Rabatten zusammensetzt. Komplexe Preissysteme führen zu einer verzerrten Einschätzung von Preisen, sowie zu weniger gefühlter Fairness und schließlich zu geringerer Kaufbereitschaft. Melanie Krämer liefert damit nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Marketingforschung, die Ergebnisse haben auch einen hohen Nutzwert für Unternehmen und Verbraucher. Ihre Arbeit weist auch eine hohe Praxisrelevanz auf und kann dazu beitragen, dass die Preispolitik von Unternehmen für die Kunden verständlicher wird.

Mit dem Innovationspreis sowie den Förderpreisen, die seit 1997 vergeben werden, prämiert die Vodafone-Stiftung für Forschung herausragende Forschungsergebnisse. Die Preise werden vorzugsweise an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem deutschen Sprachraum verliehen. Eine Jury mit hochkarätigen Vertretern aus Wissenschaft und Industrie kann die Preise sowohl Einzelpersonen als auch einer Gruppe zuerkennen.


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Dirk Ellenbeck
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Prof. Dr. Gerhard Kramer (41)
wurde in Winnipeg, Manitoba (Kanada) geboren. Dort studierte er an der University of Manitoba Elektrotechnik und erhielt 1991 den Bachelor of Science in Engineering und 1992 den Master of Science. 1998 promovierte er zum Dr. sc. techn. (Doktor der technischen Wissenschaften) an der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich.

Von 1998 bis 2000 arbeitete Gerhard Kramer bei der Endora Tech AG in Basel als Kommunikations-Ingenieur. Von 2000 bis 2008 war er als Member of Technical Staff beim Math Center der Bell Laboratories tätig, bevor er 2009 als Professor an die University of Southern California (USC) in Los Angeles wechselte. Seit 2010 ist er Ordinarius des Lehrstuhls für Nachrichtentechnik an der Technischen Universität München.

Gerhard Kramer wurde 2011 zum Vizepräsidenten der IEEE Information Theory Society gewählt und ist bereits seit 2009 Mitglied des Board of Governors dieses Verbandes. Er wirkte darüber hinaus an zahlreichen Publikationen der IEEE mit.

1998 erhielt Gerhard Kramer eine ETH-Medaille, 2003 den "Bell Labs President's Gold Award", 2005 den "IEEE Communications Society Stephen O. Rice Prize" und 2010 wurde er mit einer Alexander von Humboldt-Professur ausgezeichnet, dem höchstdotierten internationalen Forschungspreis Deutschlands.

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Prof. Dr. sc. techn. Gerhard Kramer
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